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Tradition und Sinn

Da hat also jemand ganz genau aufgepasst und festgestellt, dass am vergangenen Mittwoch der Sonntag als gesetzlicher Ruhetag seinen 1700. Geburtstag feiern konnte. Kaiser Konstantin hat für das gesamte Römerreich am 3. März des Jahres 321 verfügt, dass am Sonntag nicht gearbeitet werden darf.

Solche, viele Generationen prägende Traditionen beeindrucken mich eigentlich noch mehr als ähnlich alte Kunstwerke: Während man Gemälde, Skulpturen und Architekturen nur betrachtet, greifen Traditionen in die Lebensführung ein - so lange sie von einer nennenswerten Anzahl von Menschen akzeptiert sind, so lange sie als sinnvoll gelten.

Dem arbeitsfreien Sonntag war in seiner langen Geschichte eine positive Entwicklung vergönnt. Sein Sinn wurde immer wieder erweitert - vom religiös begründeten Arbeits-"verbot" hin zum "freien" Tag, zu Erholung, Genuss und Lebensfreude.

Heute kann man jeden spirituell begründeten arbeitsfreien Tag - sei es der Sonntag, der Sabbat oder ein anderer religiöser Ruhetag - auch als Widerspruch sehen zu einer rein ökonomistischen, auf Stress, Produktion und Konsum fixierten Existenz. Kein Wunder, dass die sonntägliche Pause aktive Gegner hat: Der traditionelle, wöchentliche "Lockdown" stört alle, die den Sinn des Lebens vor allem als Steigerung von Umsatz und Profit interpretieren.

Es ist gut, dass Konstantins Edikt in unserem Grundgesetz (Art.139) fortlebt. "Ad multos annos!" würde der alte Römer sagen...

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