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10 Jahre Fukushima

Pressemitteilung des Bündnis für Energiewende Weißenburg-Gunzenhausen zum 10. Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima

Als am 11. März 2011 ein schweres Seebeben die Ostküste Japans traf und eine riesige Flutwelle auslöste, hielten die Menschen auf der ganzen Welt den Atem an – und mit ihnen die atomkraft-kritischen Bürger Weißenburg-Gunzenhausens.
 
Die Naturkatastrophe kostete in Japan vielen Menschen das Leben, und sie löste ein schweres Atomunglück aus, das bis heute andauert: Im AKW Fukushima Daiichi kam es in drei Reaktoren zur Kernschmelze. Der Wind verhinderte glücklicherweise, dass Japan bis tief ins Landesinnere noch schwerer verseucht wurde; die radioaktive Wolke trieb Gott-sei-Dank zunächst auf den Pazifik hinaus, bevor sie zurückkam. Eine andere Windrichtung am 11. und 12. März 2011 hätte das Ende Japans bedeuten können, sagt der damalige Staatschef Naoto Kan.
 
Die Mitglieder des lokalen Bündnisses für Atomausstieg, das sich bereits 2010 (siehe Anhänge 1 und 2) parteiübergreifend formierte und seither gegen die geplante AKW-Laufzeitverlängerung der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung in Weißenburg demonstrierte, führten ihren Protest als Reaktion auf den Fukushima-Schock als immer wiederkehrende Montagsdemos am Schweppermannsbrunnen in Weißenburg einfach stoisch fort – mit wöchentlich steigender Besucherzahl (siehe AB und WT -Artikel mit Höchstzahl „1150 Menschen protestieren gegen Atomabschaltung“).
 
Heinz Gruber, Weißenburger Atomkraft-Kritiker der ersten Stunde, mahnt im Rückblick: „Bei uns haben das viele Menschen schon wieder vergessen. Wir verdrängen schnell und glauben gerne, die atomare Gefahr sei vorüber. Dem ist leider nicht so. Überall in der Welt laufen noch Atomkraftwerke. Auch um Deutschland herum und sogar in Deutschland laufen noch einige. Ein Super GAU kann sich täglich ereignen. Auch so nah bei uns, dass wir ganz massiv betroffen wären. Davon spricht kaum noch jemand. Noch läuft auch ein Meiler in Gundremmingen, 50 km Luftlinie von uns. Bei einem Unfall müssten wir unsere Heimat für immer verlassen. Daran gilt es heute zu erinnern.“
 
Während sich Deutschland 10 Jahre später bis auf wenige noch bis ins Jahr 2022 laufende Meiler von der Atomkraft verabschiedet hat, ist in der Präfektur Fukushima nie wieder Normalität eingekehrt.
 
Simon Scherer, Mitorganisator im Bündnis für Energiewende, erinnert an die Folgen: „Die Lage am havarierten Kraftwerk ist längst nicht unter Kontrolle, und die Umgebung ist weitflächig verstrahlt. Millionen schwarzer Säcke mit verstrahlter Erde reihen sich dicht an dicht neben riesigen Becken und Containern mit unzähligen Kubikmetern an radioaktiv kontaminiertem Wasser, das nach und nach ins Meer abgelassen werden soll. Die einstigen Bewohner von Fukushima haben ihr altes Leben und ihre Heimat verloren.“
 
Ein runder Jahrestag ist eine der wenigen Gelegenheiten, an denen sich die Chance bietet, die fortwährende Katastrophe und das Leid der Menschen aus Fukushima in die Erinnerung zu rufen und zu mahnen. Dass das dringend nötig ist, zeigt für Uwe Döbler, ebenfalls auch ein regelmäßiger Teilnehmer bei den Demonstrationen seit 2011, die Tatsache, dass einige hierzulande wieder lauthals eine Rückkehr zur Atomkraft fordern, anstatt Seehofers 10h-Regel zu kritisieren, die  Windkraft, Photovoltaik und Biomasse weiter auszubauen und eine vernünftige Anschlussvergütung für die aus dem EEG auslaufenden Erneuerbare-Energien-Anlagen zu fordern. Stattdessen werden immer mehr Windräder abgebaut und dürfen aufgrund der absurden Regelungen am gleichen Standort nicht auf aktuellem technischen Stand erneuert werden.
 
Uwe Döbler meint: „Vor 10 Jahren hat ein Umdenken in Deutschland stattgefunden, aber noch nicht überall auf der Welt. Uns wurde entgegengehalten, das mit den regenerativen Energien sei eine Nische von 3%. Heute wissen wir, das es anders ist. In manchen Gegenden liegt der grüne Stromanteil bei 60%. In den Dörfern werden Nahwärmenetze gebaut. Bald gibt es Wasserstofftankstellen. Es tut sich eine ganze Menge, endlich! Aber viel zu spät! Das Umdenken hätte vor Jahrzehnten beginnen können. Viele Menschen in Tschernobyl und Fukushima könnten noch leben. Andere wären nicht krank. Und Hunderttausende könnten noch in ihrer Heimat wohnen. Wir hätten nicht das Problem mit dem lebensgefährlichen Atommüll.“
 
Leider sind in Pandemiezeiten die Möglichkeiten für Aktionen und Veranstaltungen im öffentlichen Raum eingeschränkt. Die Verbreitung der Anti-Atom-Botschaft zum 10. Fukushima-Jahrestag ist entsprechend eine besondere Herausforderung. Der 10. Jahrestag der vorhersehbaren Katastrophe ist ein Tag der weltweiten Trauer. Zu feiern gibt es aus Sicht des Bündnisses für Atomausstieg wenig, wir haben es noch nicht hinter uns. Es kann sich jederzeit wiederholen.

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